Rokid Glasses RV101 im Test: Praxiserfahrungen und Potenzial für Unternehmen

Rokid Glasses RV101 im Test: Praxiserfahrungen und Potenzial für Unternehmen

Erster Eindruck und Einrichtung

Der Einstieg mit der RV101 ist einfach. Man installiert die Hi Rokid App, koppelt die Brille per Bluetooth, und innerhalb weniger Minuten ist alles verbunden. Die Verbindung ist schnell und stabil. Über die App lassen sich Helligkeit, Lautstärke und verbundene Dienste anpassen sowie mit der Brille aufgenommene Fotos und Videos abrufen.

Aus B2B-Sicht wäre das Onboarding unkompliziert. Es sind weder komplexe Konfigurationen noch ein großer Aufwand für die IT nötig. Das ist wichtig, wenn man an eine Skalierung über mehrere Teams hinweg denkt.

Displayerlebnis und die Frage der Sehstärke

Die RV101 nutzt ein monokulares grünes Display. Die Oberfläche ist minimalistisch und leicht verständlich. Alles erscheint in einer einzigen grünen Farbe, was für Übersichtlichkeit sorgt, die visuelle Vielfalt aber einschränkt.

Die Navigation erfolgt über ein Touchpad am rechten Bügel. Das funktioniert, ist aber recht empfindlich. Während des Tests kam es häufig zu versehentlichen Eingaben. Es ist brauchbar, braucht aber noch Feinschliff.

Ein wichtiger Hinweis: Das Testgerät war nicht mit meinen Korrekturgläsern ausgestattet. Dadurch war das Display nur schwer scharf zu erkennen. Für Privatanwender ist das ein persönliches Ärgernis. Beim Einsatz im Unternehmen wird es zu einer logistischen Frage. Wenn mehrere Mitarbeitende unterschiedliche Sehstärken benötigen, brauchen Unternehmen wahrscheinlich eigene Geräte pro Person oder Lösungen für Korrekturgläser. Gemeinsam genutzte Pool-Geräte sind möglicherweise nicht in allen Szenarien realistisch.

Akku für den ganzen Tag und Tragekomfort

Ich habe die Brille einen ganzen Arbeitstag lang getragen und dabei Musik gehört, telefoniert, Benachrichtigungen empfangen und mit der KI interagiert. Nach etwa acht Stunden war der Akku fast leer.

Für eine aktive Nutzung ist das eine ordentliche Leistung. Sie reicht für den Großteil eines normalen Arbeitstags, intensive Nutzer brauchen aber Zugang zu einer Lademöglichkeit. Im Unternehmensumfeld wären Ladestationen oder Docks am Schreibtisch notwendig.

In puncto Komfort fühlte sich das Tragen über den ganzen Tag natürlich an. Die Brille wirkt eher wie eine normale Brille als wie ein Headset, was die Einstiegshürde senkt.

Leistung des KI-Assistenten

Das Aktivierungswort „Hi Rokid“ startet den KI-Assistenten. Er gehört zu den größten Stärken des Geräts.

Im Test bewältigte er Wetterfragen, Entfernungsberechnungen, Allgemeinwissensfragen und sogar Systemeinstellungen zuverlässig. Die Antworten kamen schnell und klar, und die Sprachausgabe klang natürlich.

Hier zeigen KI-Brillen allmählich ihr disruptives Potenzial. Wenn der Assistent reibungslos funktioniert, muss man seltener ständig zum Smartphone greifen. Diese Verhaltensänderung ist bedeutsam.

Kamera und Kontextbewusstsein

Ein physischer Knopf oben rechts am Rahmen steuert die Bildaufnahme. Ein kurzer Druck nimmt ein Foto auf. Gedrückt halten startet eine Videoaufnahme. Die Medien werden nach der Nutzung automatisch auf das Smartphone übertragen.

Die Bildqualität ist solide für Dokumentation und schnelle Aufnahmen. Interessanter ist die Möglichkeit, die KI zu fragen, was man gerade sieht. Die Brille analysiert die Szene und liefert kontextbezogenes Feedback.

Für Anwendungsfälle im Unternehmen wie Inspektionen, Remote-Support oder Dokumentation im Außeneinsatz kann diese Funktion äußerst wertvoll sein. Sie ermöglicht freihändige, kontextbezogene Unterstützung in Echtzeit.

Kommunikation, Messaging und Audio

Die Anrufqualität ist stark. Die Mikrofone nehmen die Stimme klar auf, und die Open-Ear-Lautsprecher liefern einen überraschend guten Klang. Auch die Musikwiedergabe macht im Alltag Spaß.

Smartphone-Benachrichtigungen lassen sich synchronisieren, darunter Nachrichten und WhatsApp. Eingehende Nachrichten können vorgelesen und Antworten per Sprache diktiert werden. In der Praxis sorgt das für weniger Reibung und hält einen erreichbar, ohne ständig das Smartphone hervorholen zu müssen.

Navigation, Teleprompter und Übersetzung

Die integrierte Navigation funktioniert, ist aber einfach gehalten. Ich habe eine 30-minütige Route vom Büro ins Stadtzentrum getestet. Der Weg wurde klar angezeigt, allerdings gab es nur eine Routenoption. Eine detaillierte Aufschlüsselung nach Verkehrsmitteln fehlte. Es funktioniert, aber es fehlt an Tiefe.

Die Teleprompter-Funktion zeigt beim Sprechen scrollenden Text an. Sie funktioniert, doch die Sprachverfolgung ist unbeständig. Manchmal scrollt der Text zu schnell, weil der Sprechrhythmus nicht perfekt erfasst wird. Mit etwas Feinschliff könnte das für Vortragende und Führungskräfte nützlich sein.

Auch der Live-Übersetzer funktioniert, ist aber alles andere als fehlerfrei. Tests mit brasilianischem Portugiesisch und Niederländisch ins Englische zeigten, dass die Genauigkeit stark von Blickkontakt und klaren Bedingungen abhängt. Selbst dann treten Fehler auf. Unter den verfügbaren KI-Modellen schnitt im Test die Microsoft-Option am besten ab. Für professionelle Umgebungen, in denen es auf Präzision ankommt, besteht dennoch Verbesserungsbedarf.

Zubehör und Laden

Die RV101 wird mit einem robusten Transportetui geliefert, das hochwertig wirkt und sich für den täglichen Transport als praktisch erweist. Geladen wird über ein kleines Magnetkabel, das an Kontaktpunkten am Bügel andockt. Das Magnetsystem ist bequem und verringert den Verschleiß der Hardware.

Zur Stromversorgung wird das Kabel per USB Type-C angeschlossen und ist damit mit den Standardladegeräten kompatibel, die an den meisten modernen Arbeitsplätzen verwendet werden.

Ehrliches Fazit

Die Rokid RV101 funktioniert. Sie ist kein Konzeptgerät. Sie ist schon heute nutzbar.

Ihre Stärken liegen klar auf der Hand: Der KI-Assistent leistet gute Arbeit, Anrufe und Audio sind zuverlässig, die Einrichtung ist einfach, und die freihändige Interaktion fühlt sich natürlich an. Kamera und kontextbezogene KI eröffnen sinnvolle Möglichkeiten.

Gleichzeitig gibt es Luft nach oben. Die Akkulaufzeit könnte länger sein. Die Touch-Navigation muss besser abgestimmt werden. Teleprompter und Live-Übersetzung müssen genauer werden. Die Navigation braucht mehr Tiefe.

Das wirkt wie ein früher, aber ernstzunehmender Schritt in der Entwicklung von KI-Brillen.

Die Unternehmensperspektive

Aus Unternehmenssicht ist das Potenzial beträchtlich. KI-Brillen wie die RV101 könnten Techniker im Außendienst unterstützen, Live-Supervision ermöglichen, die Kommunikation optimieren und kontextbezogene Unterstützung in Echtzeit bieten. Sie können die Abhängigkeit vom Smartphone verringern und nahtlosere Arbeitsabläufe schaffen.

Die größten Herausforderungen für Unternehmen werden die Personalisierung der Optik, das Gerätemanagement, die Sicherheit und die Reife des Software-Ökosystems sein. Diese lassen sich mit der Zeit lösen.

Das große Ganze ist klar. Sobald KI-Leistung, Akkueffizienz und Nutzererlebnis weiter ausgereift sind, könnten Geräte wie die Rokid RV101 verändern, wie Fachkräfte mit digitalen Informationen umgehen.

KI-Brillen werden Smartphones nicht schon morgen ersetzen. Aber die Richtung ist eindeutig.

Und die RV101 ist ein ernstzunehmender Schritt in diese Zukunft.

Zentrale Spezifikationen (worauf die Rokid Max tatsächlich basiert)

Spezifikation | Details

Display | Monokulares grünes Mikrodisplay (Projektion für das rechte Auge)

Auflösung | Nicht offiziell angegeben (textorientiertes Mikrodisplay)

Bildwiederholrate | Nicht offiziell angegeben

Sichtfeld | Schmales Overlay für Informationen auf einen Blick (genaues FOV nicht angegeben)

Optik | Wellenleiterartige Projektion (monokulares System)

Tracking | Kein Positionstracking (nicht-räumliche Oberfläche)

Kamera | Integrierte Frontkamera, Foto- und Videoaufnahme

Audio | Gerichtete Open-Ear-Lautsprecher, integrierte Mikrofone mit Rauschunterdrückung

KI-Assistent | Sprachaktivierung per „Hi Rokid“, cloudbasierte KI-Verarbeitung

Navigation | Turn-by-Turn-Routenanzeige (Führung über eine einzige Route)

Übersetzung | Sprachübersetzung in Echtzeit, mehrere KI-Modelle zur Auswahl

Bedienung | Kapazitives Touchpad (rechter Bügel), physische Aufnahmetaste, Sprachbefehle

Konnektivität | Bluetooth zum Smartphone, Internet über das gekoppelte Smartphone

Begleit-App | Hi Rokid (iOS & Android)

Akkulaufzeit | Bis zu ca. 8 Stunden bei gemischter Nutzung im Alltag

Laden | Magnetischer Pogo-Pin-Anschluss, USB-Type-C-Kabel

Stromversorgung | Integrierter interner Akku

Gewicht | Leichter Brillenformfaktor (genaues Gewicht nicht offiziell angegeben)

Lieferumfang | Schützendes Transportetui

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João Noronha

Geschrieben von

João Noronha

XR- und Immersive-Content-Spezialist bei VR Expert

João Noronha ist XR- und Immersive-Content-Spezialist bei VR Expert und interessiert sich besonders für neue Technologien und deren praktische Anwendungen. Er konzentriert sich darauf, komplexe Entwicklungen in den Bereichen VR, AR, KI-Brillen und immersive Technologie in klare, praxisnahe Inhalte für Unternehmen und Fachleute zu übersetzen, die sich mit der XR-Branche befassen.

Häufig gestellte Fragen

Dieser Artikel

Im Test hielt der Akku bei aktiver Nutzung – einschließlich Anrufen, Musik, Benachrichtigungen und KI-Interaktion – rund acht Stunden durch, genug für den Großteil eines normalen Arbeitstags.

Der Assistent wird mit dem Aktivierungswort „Hi Rokid“ gestartet und bewältigte Wetterfragen, Entfernungsberechnungen, Allgemeinwissensfragen und Systemeinstellungen zuverlässig, mit schnellen und klaren Antworten.

Ja, die Genauigkeit hängt jedoch stark von Blickkontakt und klaren akustischen Bedingungen ab. Tests mit brasilianischem Portugiesisch und Niederländisch ins Englische zeigten, dass der Live-Übersetzer funktioniert, aber nicht fehlerfrei ist.

Sie zeigt großes Potenzial für Außendiensttechniker, Live-Supervision und freihändige Dokumentation. Für einen großflächigen Rollout müssen Gerätemanagement, die Personalisierung der Optik und die Sicherheit jedoch noch ausreifen.